Nachhaltiger Einkauf

Nachhaltiger Kaffee – Nachhaltiger Genuss?

Kaffeeanbau

Auf der Hochebene von Vitoria da Conquista, in Brasilien reifen die Arabica-Bohnen der höchsten Qualität. Durch die Dürre sank die Ernte auf lediglich drei Fünftel der zuvor ausgebrachten Menge. Etwa 80 Prozent der kleinen Kaffeebauern in Brasilien sind verschuldet und durch die Dürre können sie ihre Kredite nicht wie geplant bezahlen. Der Klimawandel macht den Bauern zu schaffen, da die Kaffeepflanze sehr empfindlich auf die äußeren Bedingungen reagiert. Es könnte gar so weit kommen, dass es in Zukunft kaum noch geeignete Anbauflächen gibt. Bei Aussichten wie diesen wäre Hilfe dringend nötig, doch die versprochene Regierungshilfe scheint erlahmt. Die Kaffeebauern werden immer abhängiger von ihren Abnehmern, die sie im besten Fall stärken und Verantwortung übernehmen.

Anbieter von Kaffee

In einem Nachhaltigkeitscheck wurden 17 Anbieter von Kaffee getestet. Diese 17 Anbieter heißen: Rapunzel, GEPA, Lebensbaum, ALNATURA, Aldi Süd, illy, Tschibo Eduscho, McDonald´s, Aldi(Nord), Lidl, Starbucks, Segafredo, Wertform Biospur, Dallmayr, Lavazza, Melitta und Balzac Coffee.
Schwachpunkte
Der größte Schwachpunkt der Anbieter liegt in den Kontrollen. Besonders hoch ist das Engagement bei Gepa, Rapunzel sowie bei Lebensbaum. Für diese Unternehmen ist die Basis ihrer Philosophie die Nachhaltigkeit, welche auch belegt werden kann. Der Kaffee von ihnen stammt meist aus Tansania oder Indien.

Melitta und Dallmayr

Die beiden deutschen Firmen Melitta und Dallmayr belegen nicht, woher ihr Espresso stammt. Sie gaben nur wenige Informationen preis. Das Management von Balzac Coffee nahm erst gar nicht an der Umfrage teil.
Starbucks und Biopur
Seit 2010 bietet Starbucks Fairtradezertifizierte Espressogeränke an und ist ein großer Händler von fairem Kaffee. Starbucks verfügt auch über ein starkes Nachhaltigkeitsprogramm für Kaffee-Lieferanten. Biopur dagegen ist sehr intransparent. Sie reichten im gegensatzt zu Starbucks keine schriftlichen Nachhaltigkeitsgrundsätze ein.

Die größten Produzenten von Rohkaffee

Der mit Abstand größte Kaffee-Produzent ist Brasilien mit 2 905 Tausend Tonnen (Stand 2015/2016) gefolgt von Vietnam mit 1650 Tausend Tonnen und Kolumbien mit 841 Tausend Tonnen.

Die Konsumenten

Die USA und Brasilien konsumieren jeweils über 1300 Tausend Tonnen Kaffee, damit stehen sie auf Platz eins und zwei. Auf Platz drei und vier folgen Deutschland (610 Tausend Tonnen) und Japan mit 495 Tausend Tonnen.

Maschinen statt Erntehelfer

Immer weiter auf dem Vormarsch, ist im Land des größten Produzenten von Kaffee, die Maschine als Ersatz für die Erntehelfer. Sie erreicht Kapazitäten in einer Stunde, wie 70 Mann an einem Tag. Die Saisonarbeiter bekommen pro 20 Kilo zwischen 1,50 und 3 Real, was weniger als ein Euro entspricht.

Der Kaffeepreis

Der Kaffeepreis unterliegt starken Schwankungen, da er an der Börse gehandelt wird. So lag das Pfund Arabica Anfang November bei bis zu 1,74 US $. Im Laufe des Jahres 2015, sank der Preis um gut ein Drittel. Der Fairtrade-Mindestpreis für Arabica liegt bei 1,40 US$.

Die Erntehelfer

Für viele Erntehelfer sichern die drei Monate Ernte das Haupteinkommen im Jahr. Allerdings bleiben ohne Kontrollen große Missstände unentdeckt. Es gibt Plantagenbesitzer, die ihre Arbeiter wie Sklaven halten. Da sie bei den Plantagenbesitzern oft verschuldet sind, haben sie keine Möglichkeit zu fliehen. Die NGO Walk Free schätzt, dass brasilienweit ca. 155.000 Menschen von Sklaven ähnlichen Bedingungen betroffen sind. Aus diesem Grund ist es extrem wichtig, dass die Kaffeeanbieter wissen, woher ihr Kaffee stammt.

Kaffeesiegel

Zu den größten Zertifizierer von Kaffee gehören die brancheninitiative 4C, Starbucks (C.A.F.E. Practices), Nespresso (AAA), die Lableorganisationen Fairtrade, Rainforest Allince und Utz.

Durch eine Überproduktion von Kaffe im Jahre 2001, kam es zu einer neuen Denkweise. Hierdurch ist das Verbraucherbewusstsein für schwankende Kaffeepreise gestiegen.

Der bedeutendste Standard, wenn es nach der Menge geht, ist der Branchenriese 4C. Er steht für Code fort he Coffee Community. Hinter ihm stehen Firmen wie Tchibo, weshalb der Anteil in kürzester Zeit rasant anstieg. Es handelt sich hierbei um ein Einstiegsprogramm für Bauern, um den Anbau nachhaltiger zu gestalten. Die Mitglieder verpflichten sich, Kinder- und Zwangsarbeit zu ächten, ebenso wie verbotene Chemikalien.
Leider ist die Nachfrage bisher noch relativ gering. Nur ein Viertel des zertifizierten Kaffees wird als solcher verkauft. Der Rest geht zu normalem Preis und ohne Siegel in den Handel.

 

Quelle: Zeitschrift Stiftung Warentest 12/2016